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Was ist eine Lese-/Rechtschreibschwäche?

Eine Lese-/Rechtschreibschwäche (LRS/Legasthenie) wird nach der internationalen Klassifikation psychischer Erkrankungen (ICD) von der Weltgesundheitsbehörde WHO in der ICD 10 definiert als

  • ausgeprägte Beeinträchtigung der Entwicklung der Lese-/Rechtschreibfähigkeiten (umschriebene Entwicklungsstörung),
  • die nicht

  • durch eine intellektuelle Minderbegabung
  • durch eine neorologische Erkrankung (z.B. Seh- oder Hörbehinderung)
  • durch eine psychiatrische Erkrankung
  • durch soziale Deprivation (z.B. Vernachlässigung)
  • durch eine Lehrschwäche (falsche/schlechte Unterrichtsplanung)
  • verursacht ist.

Eine Lese-/Rechtschreibschwäche ist nach dieser Definition eine

  • klassische, an die Entwicklung der Hirnfunktionen gebundene zentralnervös begründete Entwicklungsstörung.

 Die LRS ist aber keine isolierte Schwäche, sondern sie steht in vielfältigen, miteinander verknüpften Beziehungen und Zusammenhängen mit anderen Entwicklungsauffälligkeiten:

Zusammenhänge zwischen Lese-/Rechtschreibstörungen und anderen Entwicklungsauffälligkeiten Untersuchung Schydlo (1993):

  • bei 54 % der LRS-Kinder bestand eine zentrale Fehlhörigkeit (auditive Figur-Grund-Störung
  • 13 % der Kinder wiesen andere Wahrnehmungsstörungen auf
  • 14 % hatten auch visuelle Wahrnehmungsstörungen
  • bei 47 % der LRS-Kinder fanden sich zusätzliche grobmotorische Störungen
  • bei 16 % waren feinmotorische Störungen feststellbar (Beeinträchtigungen der Grob- und Feinmotorik sind eine häufig anzutreffende Kombination mit LRS, vor allem Beeinträchtigungen in der Auge-Hand-Koordination)
  • bei 9 % bestand eine Linkshändigkeit
  • bei 20 % ein hyperkinetisches Syndrom (psychomotorische Unruhe)

Langfristige Auswirkungen von Legasthenie:

Mannheimer Längsschnitt-Studie von ESSER und SCHMIDT (1993)

  • Lediglich 12,5% der Kinder mit LRS besuchen das Gymnasium gegenüber 40,6% ohne LRS. Auch der Einstieg in das Berufsleben ist für diese Kinder erschwert.
  • Lese-rechtschreibschwache Kinder haben vermehrt Verhaltensauffälligkeiten, was sich über die gesamte Entwicklungszeit nachweisen läßt.
  • Zusätzliche psychische Auffälligkeiten auch später im Jugendlichenalter deutlich erhöht (Schuleschwänzen, Lügen, Weglaufen, Nikotin-, Alkohol-, Drogenabusus, Zerstören fremden Eigentums).
  • 25% werden im Alter von 18 Jahren strafauffällig, gegenüber 5,3% ohne Lese- und Rechtschreibprobleme.
  • Lediglich 34% der Kinder mit LRS zeigen eine geringe Besserung der Rechtschreibleistungen während der Grundschulzeit.
  • Bereits Ende der 2. Klasse kann 70% der LRS-Kinder nur noch durch spezielle außerschulische Lerntherapien geholfen werden.

Weitere Informationen zu Legasthenie / LRS / Dyslexia

Adressen und Kontakte, Landesverbände in Deutschland, Links zu internationalen Organisationen, Literaturempfehlungen

 

     

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